Web Datenschutz Schell Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

Warum bieten Google und Facebook keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an?

13.06.2014 16:53 von Christian Schell | Kommentar schreiben

Die technische Umsetzung für eine (echte) Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist gelöst und man kann diese sogar recht leicht und benutzerfreundlich umsetzen (als Beweis hierfür kann man zum Beispiel Apples iMessage oder auch TextSecure aufführen). Trotzdem mailen, chatten und telefonieren wir fast immer im Klartext (die Nachrichten sind zwar über SSL/TLS transportgesichert, aber der Dienstanbieter, die Geheimdienste,... können und lesen häufig mit).

 

Doch warum bieten Google, Facebook (WhatsApp) und Co keine sichere Verschlüsselung für ihre Nachrichten-Dienste an?

 

Die Antwort liegt auf der Hand:

Sie wollen es nicht!

 

Jetzt mögen Sie sich vielleicht fragen, warum sie es nicht wollen - ganz einfach:

Für Unternehmen ist ein gläserner Konsument, der beste Kunde.

Es gibt starkes politisches Interesse, die Kommunikation aller Internet-Nutzer jederzeit ohne großen Aufwand mitlesen zu können. Wir können nur spekulieren, wie groß da der Druck ist, den Politiker und Behörden auf den Konzern ausüben. Doch viel schwerer wiegt wohl Googles ur-eigenes, wirtschaftliches Interesse: Mit funktionierender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung würde Google sein eigenes Geschäftsmodell torpedieren. Das beruht nämlich darauf, dass der Konzern unsere Daten mitlesen und auswerten kann – unter anderem, um uns dann die passende Werbung zu präsentieren. Das gilt natürlich genauso für Facebook; man kann also WhatsApp als Hoffnungsträger schon mal abschreiben.

(Quelle: heise.de, 19.05.2014)

Nun sollte man vielleicht nicht allzu streng mit Facebook und Google ins Gericht gehen. Google z.B. liefert uns kostenlos seine Suchmaschine, GoogleAdWords, Android, Google+, YouTube, GMail, Google Maps/Earth,... können sie dann nicht auch einen Profit daraus schlagen? 

Google ist Marktführer bei Suchmaschinen, mobilen Betriebssystemen, Browsern, Online-Videos und E-Mail-Diensten. Dies führt zu einer unglaublichen Machtfülle, die von vielen Verbrauchern und Politikern unterschätzt wird. Der Konzern speichert Daten personenbezogen und das ist es, was Google so brandgefährlich macht!

Warum leistet niemand diesem Monopolisten Widerstand? Google kann machen, was es will: Es bietet die Suchergebnisse an, die ihm selbst nutzen. Seine marktbeherrschende Stellung ist eine Gefahr für die Gesellschaft. (Quelle: faz.de, 03.04.2014)

...und...

Jonathan Zittrain, Professor für Recht und Computerwissenschaft in Harvard und Autor von “The Future of the Internet and how to stop it”, setzt sich in einem aktuellen Artikel auf newrepublic.com mit der möglichen Manipulation von Wahlergebnissen durch Dienste wie Facebook auseinander. Wie lässt sich verhindern, dass Mark Zuckerberg den nächsten amerikanischen Präsidenten bestimmt? (Quelle: netzpolitik.org, 03.06.2014)

Zurück

Datenschutz Blog

  • IP-Adressen trotz VPN herausfinden

    Firefox und Chrome verraten ihre IP-Adressen trotz Virtual Private Network (VPN). Schuld daran ist die WebRTC-Implementierung - es gibt jedoch Abhilfe.

  • Facebook ändert Nutzungsbedingungen

    Menschen wollen sich im Netz präsentieren und "soziale" Kontakte pflegen - das ist ein ganz natürliches Verlangen. Doch will man dafür seine Privatsphäre aufgeben? Facebook ändert heute Nacht seine Nutzungsbedingungen! D.h.: Rausgehen lohnt sich - jetzt mehr denn je!

  • Windows 8 Administrator Passwort vergessen?

    Eine kurze Anleitung, wie man unter Windows 8 ein vergessenes Administrator Passwort zurücksetzen kann. Im Grunde genommen steckt dahinter nur die utilman.exe, welche man von außen durch cmd.exe ersetzt, um damit wiederum das Passwort zu ändern.

  • Tor-Nutzer werden von der NSA als Extremisten überwacht

    Wer sich im Internet mit Anonymisierung beschäftigt, also zum Beispiel nach den Tools "Tails" oder "Tor" sucht, wird bei der NSA als "Extremist" bespitzelt. Das geht laut NDR und WDR aus dem Quelltext der NSA-Software XKeyscore hervor.

  • Snowden: Die Deutschland-Akte

    Die jüngsten Veröffentlichungen der Snowden-Akten beweist: Nirgendwo in Europa ist die NSA so aktiv wie in Deutschland. Der Spiegel veröffentlicht dutzende von Dokumenten aus dem Archiv von Edward Snowden, welche Details der Spionage offenbaren - und die Kooperation mit den Deutschen beweisen.

Besucher

  • Gesamt: 2597546
  • Heute: 139
  • Online: 4

Zitat

"Denken ohne zu lernen ist töricht, lernen ohne zu denken ist gefährlich."
Laotse

eBooks:

  • Überwachtes Netz. Edward Snowden und der größte Überwachungsskandal der Geschichte

  • Hrsg.:

    Markus Beckedahl, Andre Meister
  • Inhalt:

    Der Sammelband reflektiert den NSA Überwachungsskandal und schaut nach Vorne.
  • Download: PDF, AZW3, EPUB
  • Angezapft. Technische Möglichkeiten einer heimlichen Online-Durchsuchung und der Versuch ihrer rechtlichen Bändigung

  • Autor:

    Rainer Rehak
  • Inhalt:

    Die Diplomarbeit verdeutlicht, dass der staatliche Einsatz von Trojaner-Software sich schon per Definition weder technisch noch gesetzlich beschränken lässt.
  • Download: PDF
  • Strategische Auslandsüberwachung: Technische Möglichkeiten, rechtlicher Rahmen und parlamentarische Kontrolle

  • Autor:

    Dr. Stefan Heumann, Dr. Thorsten Wetzling
  • Inhalt:

    Eine interessante Studie über einen zweifelhaften rechtlichen Rahmen geheimdienstlicher Tätigkeiten.
  • Download: PDF